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Heft 144: "In and against the State!" - Aktuelle staatstheoretische Perspektiven für eine Politik des Sozialen

2017 | Inhalt | Editorial | Abstracts | Leseprobe

Titelseite Heft 144
  • Juni 2017
  • 140 Seiten
  • EUR 15,00 / SFr
  • ISBN 3-89691-014-1
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John Kannankulam
Von der Staatsableitung zum Europäischen Staatsapparate-Ensemble
Grundzüge und Debatten der materialistischen Staatstheorie

Der Beitrag gibt einen Überblick über verschiedene Stränge der materialistischen Staatstheorie. Ausgehend von Marx und Engels sowie im Anschluss an die sog. Staatsbleitungsdebatte geht es darum, den modernen Staat im Verhältnis zu den Widersprüchen der kapitalistischen Produktionsweise zu rekonstruieren. Hiervon ausgehend wird unter Rückgriff auf Gramsci, Althusser und Poulantzas eine hegemonie- und handlungstheoretische Erweiterung der materialistischen Diskussion eingeholt, um abschließend mit Poulantzas' Argumentation zum autoritären Etatismus auf aktuelle Probleme der Demokratie innerhalb des transnationalen europäischen Staatsapparate-Ensembles hinzuweisen. Leseprobe

Jens Wissel
Warum die Europäische Union gescheitert ist
Eine Bilanz

Mit der in der Krise in Europa durchgesetzten 'New Economic Goverance' kommt die wettbewerbsstaatliche Integrationsweise zu sich selbst und zugleich an ihr Ende. In dem Artikel wird die These vertreten, dass die Gründe hierfür in den einseitigen gesellschaftlichen und apparativen Kräfteverhältnissen die sich in Europa verdichten, fehlenden zivilgesellschaftlichen Strukturen sowie dem gescheiterten Projekt einer Sozialen Union zu suchen sind Dies führte dazu, dass die EU ein Eliteprojekt geblieben ist. Eine gesellschaftliche Basis fehlt ihr, sodass sie in Krisen schnell als Ganzes in Frage gestellt wird.

H.J. Bieling
Der gespaltene Wohlfahrtsstaat
europäische Kontextbedingungen und nationale Ausprägungen

Der Text geht der Frage nach, ob es im Rahmen der europäischen Integration zu einer Konvergenz der Wohlfahrtsstaatlichkeit kommt und worin diese bestehen könnte. Die Tendenz einer Spaltung der Wohlfahrtsstaaten in eine hierarchischen Mix von Mindestsicherungen, lohnarbeitsgebunden Sozialversicherungen und Zwang zu privater Vorsorge ist sichtbar. Dies bleibt auch in der Finanzmarktkrise und ihrer austeritätspolitischen Bearbeitung so, jedoch mit Modifikationen. Die Tendenzen erschließen sich vor allem im Kontext politökonomischer Entwicklungen und arbeitsmarktpolitischer Workfare-Strategien. Im Artikel werden unterschiedliche Phasen der Reorganisation von Wohlfahrtsstaatlichkeit bis hin zur aktuellen Austeritätspolitik rekonstruiert.

Sigrid Leitner
De-Familisierung im Adult Worker Model
Wo bleibt die Sorgearbeit?

Mit dem Adult Worker Model festigt sich die Vorrangstellung der Erwerbsarbeit gegenüber der Sorgearbeit. So zielen die familien- und arbeitsmarktpolitischen Reformen der letzten zehn Jahre auf die Arbeitsmarktpartizipation von Eltern und pflegenden Angehörigen. Gleichzeitig sind weder die Betreuungs- und Versorgungsstrukturen in ausreichendem Maße vorhanden noch ermöglichen die Arbeitsbedingungen eine gute Vereinbarkeit von Erwerbs- und Sorgearbeit. Die Folge ist eine Reproduktionskrise.

Arnd Götzelmann, Thomas Wagner
Eigensinnige Arbeit an der Geschichte
Autobiographische Erzählungen zum beruflichen Alltag in der Sozialen Arbeit im Kontext wohlfahrtsstaatlicher Transformation

Der Text widmet sich im Anschluss an die Debatten um Alltagsgeschichte den Möglichkeiten, eine Geschichte der wohlfahrtsstaatlicher Transformation "von unten" mit Blick auf den beruflichen Alltag in der Sozialen Arbeit und dessen Akteur_innen zu schreiben. Als theoretisch zentral gilt dabei die Kategorie des Eigensinns. Anhand einer biographischen Fallgeschichte wird der Frage nachgegangen, wie sich "große" gesellschaftliche Entwicklungen in einer exemplarischen Lebens- und Berufspraxis niederschlagen und dort eigensinnig verarbeitet werden.

Katja Reincke
Sozial Arbeit an der Grenze
Nationalstaatliche Verfasstheit Sozialer Arbeit am Beispiel exterritorialer Flüchtlingslager

In diesem Artikel thematisiere ich die nationalstaatliche Begrenztheit Sozialer Arbeit am Beispiel von EU-finanzierten, nordafrikanischen Auffanglagern für Geflüchtete. Angesichts der aktuellen Diskussionen um die Einbindung nordafrikanischer Staaten in die europäische Migrationskontrolle in Form von exterritorialen Lagern und Heimen für Straßenkinder, mache ich deutlich, welche Folgen diese Politik zum einen für die Geflüchteten, aber auch für die Soziale Arbeit hat. Dabei stelle ich fest, dass die Grenzen für Geflüchtete und Soziale Arbeit aus der Verbindung von Nationalstaat und Bürger- und Menschenrechten resultiert.

Christine Resch
Ist Deutschland ein sicheres Aufnahmeland?
Überlegungen zur Norm der Integration, der (fehlenden) sozialen Infrastruktur dafür und populistischer Politik

In diesem Beitrag wird der Begriff "Integration" kritisiert und auch, dass es an sozialer Infrastruktur fehlt, um die offiziell als notwendig behauptete Förderung zur Integration angemessen umsetzen zu können. An konkreten Materialien aus politischen Statements sowie alltäglichen Praktiken wird gezeigt, dass die Norm der Integration auf identitätspolitischen Kategorisierungen beruht, die notwendig mit sozialer Ausschließung verbunden sind. Für die theoretische Analyse wird vorgeschlagen, über "Populismus" nachzudenken.

Marcel Schmidt
Zur Bedeutung von Zeit, Raum und Leib für die gesellschaftliche Praxis einer »Entfremdung zweiten Grades«

Der vorliegende Entfremdungsbegriff gilt den leiblichen Menschen, Residuen beschleunigter Körper. Entfremdung zweiten Grades zeigt sich als vermeintliche Selbstbestimmung, die Freiheit verheißt. Aber das Leben als selbst gemanagtes Projekt impliziert eine Existenz als Projektil in der sich beschleunigenden Dauerschleife des Ökonomischen.

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